Lüttich – oder Klein Europa?
Die meisten Deutschen würden Belgien wohl als unbekannten Nachbarn beschreiben- dabei ist das Land weit mehr als nur eine Reise wert, gibt es doch schöne Landschaften und malerische Städte zu entdecken, teilweise ganz nah an der deutschen Grenze. Das heutige belgisch-deutsche Grenzgebiet hat eine lange Geschichte und kann durchaus als eine Wiege des modernen Europa betrachtet werden.
Belgien ist ein dreisprachiges Land, das schon immer die verschiedensten Kulturen angezogen hat. So verwundert es nicht, dass die Hauptstadt Brüssel heute das politische Zentrum Europas ist.
Unter den Städten, die am meisten von Europa in sich vereinen, muss Lüttich jedoch schon vorher genannt werden.
Im Jahre 717 wurde Lüttich als Bischofssitz gegründet und entwickelte sich bereits im Mittelalter zu einem bedeutenden politischen und kulturellen Zentrum.
Lüttich, malerisch an der Maas und Ardennen gelegen, ist das kulturelle Zentrum der Region Wallonien, doch eigentlich ist die Stadt noch viel mehr als das: Lange sprach man von Lüttich aufgrund seiner Architektur vom “Athen des Nordens”, heute rühmt es sich auch gern als “kleines Frankreich an der Maas”. Dies bedeutet aber nicht, dass Lüttich seine Geschichte vergessen hätte. Geht man heute durch die Straßen, hört man neben der französischen Sprache auch Flämisch, Niederländisch, Englisch und Deutsch in verschiedenen Dialekten, denn Lüttich liegt nicht nur unweit der deutschen Grenze, sondern auch in der Nähe der deutschsprachigen belgischen Gebiete.
Der Gast muss etwas länger in Lüttich verweilen, denn der Charme der Stadt wird erst auf den dritten Blick erkennbar. Zwar hat Lüttich einen hochmodernen neuen Hauptbahnhof und sorgt so für einen guten ersten Eindruck, doch liegt dieser nicht direkt im Zentrum- der Weg dorthin führt den Reisenden daher unweigerlich durch weniger schöne Straßen, in denen der Asphalt bröckelt und die Fassaden der Häuser einen neuen Anstrich nötig hätten. Doch auch das gehört zur Stadtgeschichte, denn hier kann man deutlich erkennen, dass Lüttich eine lange Tradition als Bergbau- und Stahlkocherstadt hat. Jedoch sind diese Industrien auch hier weitestgehend stillgelegt, was eine hohe Arbeitslosigkeit und finanzielle Probleme zur Folge hatte- was die Stadt auch nicht verleugnet.
Die pittoreske Innenstadt allerdings fasziniert noch heute mit vielen kleinen Gassen, schmucken Innenhöfen, bunten, belebten Plätzen, Straßencafés für jeden Geschmack und eine Vielzahl von gepflegten Grünanlagen.
Neben dem Dom und den Stiftskirchen Saint-Barthélemy, Saint-Denis und Saint-Martin lohnt sich auch eine Besichtigung des Lütticher Aquariums und der verschiedenen Museen, unter anderem des Museumskomplex Grand Curtius.
Die Freitreppe “Montagne de Bueren” sollte man nicht nur anschauen, sondern erklimmen, denn die Stufen werden an sonnigen Tagen von Einheimischen und Gästen auch gern als Sitzplatz genutzt.
Auch das Verkehrssystem ist interessant: Ursprünglich war in Lüttich der Bau einer U-Bahn geplant und der Bau wurde sogar teilweise begonnen, jedoch nie abgeschlossen. Einige fertig gestellte Bauabschnitte werden heute von Linienbussen genutzt.
Lüttich ist Kandidat für die Ausrichtung der Weltausstellung Expo im Jahre 2017- ist aber schon vorher eine Reise wert!
